Malerei

Bedeutung der Malerei im Leben von Hans-Albrecht Schilling

„Erlebnisse und Bekanntschaften in den letzten Kriegsjahren haben bei dem 1929 in Bremen geborenen Arztsohn ein kulturelles Interesse geweckt. Noch vor dem Abitur verlässt er das Alte Gymnasium, um an der hiesigen Kunsthochschule Malerei zu studieren. „Einen Künstler in der Familie können wir uns leisten“, soll der nicht kunstaffine Vater den Wunsch des Sohnes kommentiert haben, wohl in der Hoffnung, dass die drei Geschwister „anständige“ Berufe finden würden. Doch auch an der Kunsthochschule hält es ihn nicht lange, die Lehrenden dort erscheinen ihm teils zu altbacken. Ohne Abschluss verlässt er die Schule, findet sein erstes Atelier in dem Gartenpavillon des amerikanischen Generalkonsuls, kann 1948/49 erste Anerkennungen verbuchen bei Gruppenausstellungen junger Kunstschaffender in München und an der Bremer Kunsthalle.

Schilling unternimmt Anfang der fünfziger Jahre Studienreisen nach Rom und Paris. Vor allem die französische Hauptstadt, die damals den Ruf der Weltkunsthauptstadt besitzt, hat es ihm angetan. Auf Vermittlung eines Bekannten lernte er Kunstgrößen der damaligen Zeit wie Sonja Delaunay, Pierre Soulages und Hans Hartung kennen.

Dieses Bestreben liegt bekanntlich der 1955 erstmals veranstalteten documenta in Kassel zu Grunde, zu deren Pressekonferenz Schilling durch die Vermittlung eines Bekannten Zugang erhält, sodass dieses in einem Vorbericht der Frankfurter Allgemeinen veröffentlichte Foto entsteht, dass den jungen Bremer Künstler, neben dem britischen Kulturreferenten und dem italienischen Maler Emilio Vedova vor einem Picasso-Gemälde zeigt.

In Bremen hat sich ein Jahr zuvor das „Junge Forum“ gegründet. Das sind, wie der Weser-Kurier berichtet, „Maler, Bildhauer, Theaterleute, Architekten aus Bremen und den umliegenden Künstlerdörfern, die sich (…) zusammengeschlossen haben, um im Rahmen der Kunstschau der Böttcherstraße zu zeigen, was sie können, und über Ziele und Wege zu diskutieren.“ Das Neue Forum gibt es bis Anfang der siebziger Jahre. Vereinsvorsitzender ist zunächst der Architekt Max Säume. Schilling sollte ihm in den sechziger Jahren nachfolgen. Durch die Bekanntschaft mit Säume – das Architekturbüro Säume und Hafemann ist damals das wohl erfolgreichste Büro in Bremen und häufig für die Wohnungsbaugesellschaft Gewoba tätig – aber auch durch die Bekanntschaft mit Baudirektor Klaus D. Tippel, der ebenfalls zum Kreis der Neuen Forums gehört, kommt Schilling schließlich zu seinen ersten Aufträgen als Farbgestalter – ein Betätigungszweig, der nach den ersten erfolgreich abgeschlossenen Großaufträgen für die Gartenstadt Vahr und die Neue Vahr eine gewissen Eigendynamik entwickeln wird, die den Künstler zeitlich immer stärker beansprucht.“

Auszug aus der Festrede anlässlich der Verleihung der Bremer Auszeichnung für Baukultur 2022 (Posthumen)

von Prof. Dr. Eberhard Syring – Laudatio auf den Künstler und Gestalter Hans-Albrecht Schilling

Die Bilder im oberen Bereich der Seite sind aus dem Frühwerk von Hans-Albrecht Schilling aus der Zeit 1950-1970, Öl auf Leinwand.